Samstag, 23 01 2021

Poesie

  • Von der Wende
  • Von der Küste
  • Von der Liebe
  • Von der Lust
  • Von Vögeln
  • Von Jahreszeiten
  • Von so Netten

Sonette von Heinz Erich Karallus

 Der Dichter spricht

Was man in Noten nicht beschreiben kann,
dem sollt der Dichter einen Ausdruck geben,
damit nur nichts bleibt ungesagt im Leben,
was doch gesagt sein sollte, irgendwann.

Der Noten Sprache kennt kein Dialekt,
was hier man spielt, sollt dort genauso klingen,
die Melodie allein steht für’s Gelingen,
erst das Talent der Künstler macht’s perfekt.

Welch Botschaft sich in der Musik verbirgt,
kennt nur der Komponist, der sie bewirkt,
Musikgenuss allein erschließt sie nicht.

So lasst Poeten euch als Herold künden,
was durch der Noten Klang soll Botschaft finden,
und lauscht gespannt dem, was der Dichter spricht.
                                                                             2020
                                                                

Die Mischung macht’s

Sie sich im siebten Himmel schon gewähnt,
beflügelt vom Feuer der Leidenschaft,
erkannten bald, solch Wahn auch Leiden schafft,
ach hätten sie das Feuer nur gezähmt!

Gelöscht mit der Vernunft gestrenger Kühle,
gezügelt durch profane Sachlichkeit,
geschürt auch nicht durch knisternd Sinnlichkeit,
allein, wo blieben der Liebe Gefühle?

Wohl bedarf es der rechten Mischung halt -
nicht feurig heiß, doch auch nicht sachlich kalt –
um dauerhaften Lebensbund zu schmieden.

Darum: liebet getrost mit Leidenschaft,
gepaart mit Vernunft verleiht es die Kraft,
schon auf Erden ohne Leid sich zu lieben.
                                                                         2007

 Gedichtersatz

Ich schrieb so gern dir wieder ein Gedicht,
mit schönen und auch wohlgesetzten Reimen,
im Thema heiter oder auch zum Weinen,
allein ich find die rechten Worte nicht.

Hab dir doch früher oft manch Vers geschenkt,
bei jedem Anlass, der im Jahr sich bot,
und hat beim Reimen selten eine Not,
wie kommt’s, dass mich die Muse nicht bedenkt?

Nun glaub bloß nicht, es läg’ an meiner Liebe,
und dass ich diese etwa nicht mehr hätt’.
Sie ist der Schatz, der selbst in Armut bliebe,

erst unsre Liebe macht die Welt komplett.
Damit du’s glaubst, dacht ich mir mal, ich schriebe
dir zum Geburtstag einfach ein Sonett.
                                                                          2007